Olympische Distanz - meine Erste

Auf den Punkt gebracht klingt das Fazit meiner ersten olympischen Distanz folgendermaßen - Ich bin der beste Schwimmer, der beste Radfahrer und der schlechteste Läufer (in meiner Welt).
Aber da das ja nicht alles sein kann, was zu meiner ersten Teilnahme an einem solchen Triathlon zu sagen ist, werde ich doch etwas ausführlicher. ;)
 
Angemeldet habe ich mich schon im Dezember. Nach kurzer Absprache mit Martin und Ines in Hilpoltstein bzgl. der Übernachtung, habe ich kurzen Prozess gemacht und mit den 1. Juni als Termin für meine erste OD gesetzt.
Das Training verlief bis Mitte April ziemlich nach Plan; regelmäßiges Schwimmen und Radfahren - Laufen ja sowieso. Im April gab es dann einen Schnitt, der dazu führte, dass das Training in den Hintergrund geriet.
Nach meinem "Unfall" beim Rennsteiglauf, welcher wohl nur alle 100 Jahre mal passiert, war ich schon etwas ängstlich mit Blick auf den 1. Juni. Aber was solls - bezahlt ist schon und da kann ich auch an den Start. Es geht somit nur drum, zu finishen!
 
So landete ich also am Samstag Nachmittag bei Martin und Ines. Wir machten uns sofort auf den Weg nach Ingolstadt, um doch schon am Vortag mit dem Rad einzuchecken, was dann weniger Stress für den Sonntag Morgen bedeuten sollte. Außerdem hatte ich da schon mal die Möglichkeit zur Streckenbesichtigung.
 
Sonntag Morgen fuhr ich dann gegen 7 Uhr mit Martin zum Ort des Geschehens. Ines wollte etwas länger schlafen und nachkommen. Sie hat es grad so bis eine Minute vor meinem Start geschafft...
 
Nochmal das Rad überprüft, den Wechselplatz eingerichtet, mit den Helfern etwas organisatorisches abgesprochen und dann kurz vor 8 Uhr die Wechselzone verlassen. Ich hoffe, ich habe alles, was ich zum Schwimmen brauche bei mir, denn ich darf offiziel ab 8 Uhr nicht mehr in die Wechselzone.
 
Jetzt blieb mir nur noch Martin meine Kamera kurz zu erklären und Norbert zu suchen, der gemeinsam mit mir in die Fluten springen wollte. Wir fanden uns recht schnell im Schwimmstartbereich, wo auch die Wettkampfbesprechungen stattfanden.
 
Martin verabschiedete sich hier, um mit seiner Fotosaffari zu starten.
 
Bevor die Kurzdistanzler ins Wasser sprangen gab es natürlich eine Grußbotschaft eines Bürgermeisters o.ä. Man verzeihe mir, dass ich mir das nicht gemerkt habe. Was allerdings im Kopf blieb, war der Wunsch in der Botschaft, dass "heute und hier all unsere geheimsten und tiefsten Wünsche wahr werden sollen" - ein Schelm, wer böses dabei denkt... ;
9:40 Uhr Einschwimmen bei offiziellen 17,1 Grad Wassertemperatur. Füße, Hände und Kopf wurden kurz von der Kälte überrascht, haben sich aber schnell dran gewöhnt. Der Rest des Körpers - so ein Neopren ist schon was tolles!
 
10:00 Uhr Start - Ein so genannter Langstart. Das heißt, die Starter halten sich an Land auf und rennen ins Wasser. Ich wie immer von hinten... Ich wühle mich aber schnell durch die hinteren Reihen. Im Neo schwimmen ist irgendwie, als wenn man wie ein Brett im Wasser liegt und nur die Arme bewegen braucht, um zügig vorwärts zu kommen. Ich setze meine Beine kaum ein, eigentlich nur, um die seitliche Wasserlage zu halten. Sicher hätte ich noch schneller sein können, wenn ich mit richtigem Beinschlag geschwommen wäre, aber ich wollte Kraft sparen, da ich auf der Distanz noch keine Erfahrung hatte. Das Hauen und Stechen hielt sich in Grenzen. Man muss auf die Brustschwimmer achten, die ja auch zur Seite "austreten". Ein Tritt an der falschen Stelle und die Luft bleibt einem selbst weg.
Was mich ärgerte: Meine Brille beschlug! Trotz vorher reinspucken, verreiben und ausspülen wie es sonst immer half - heute mochte sie mich nicht. Deshalb musste ich gesamt 4x anhalten, um die Brille wieder klar zu machen.
Raus aus dem Wasser...
Raus aus dem Wasser...

Die Schwimmzeit für die 1,5km verging trotz innerer Flüche über Brille und 2maligem Verschwimmen relativ flink. Ich war am Ende sogar 4 Minuten schneller aus dem Wasser wieder draußen als ich mir errechnet habe.
Beim Ausstieg aus dem Wasser nach 38 Minuten merkte ich schon in den Knien, dass das was anderes war als bei meinen bisherigen 3 Jedermann-Trias. Auf dem Weg zu Rad gings dann das erste Mal durch ein Spalier an Zuschauern - das war schon richtig toll!! Du bist zwar mit dir, deiner Badekappe, der Brille und dem Neo beschäftigt, da man den ja schon bis zur Hüfte ausziehen darf, aber den Jubel registrierst du trotzdem..
 
Wechsel 1: Fahrrad suchen, Neo austrampeln und in die Kiste schmeißen, einen Schluck Wasser trinken,  Helm auf/zumachen, Handschuhe an, Socken an, Schuhe an, Brille auf und Rad vom Ständer - auf Richtung Radstrecke...
 
Rad: 40 km lagen nun vor mir. Eigentlich kein Problem und sie sollen es auch heute nicht werden. Ich kam wie immer gut in den Tritt. Natürlich wurde ich von den ganzen "Freaks" auf ihren Zeiträdern reihenweise verspeist. Da hieß es ruhig Blut zu bewahren und nicht hinterher sprinten zu wollen. Das gelang mir auch und ich fuhr mein eigenes Tempo. Im Gesamten eine recht anspruchsvolle Strecke, deren ca. 250 Höhenmeter auf ein paar steile Anstiege verteilt waren, die einen immer wieder überraschten, wenn man nicht damit rechnete.
..und rauf aufs Rad
.. und rauf aufs Rad

 

Die Stimmung an der Strecke - grandios! Das Wetter spielte den Zuschauern natürlich in die Hände. In den Ortschaften gab es Musik, Trommeln und massenweise verbale Aufmunterung. An den Anstiegen haben sich Zuschauer postiert, um uns hochzupeitschen - einfach nur Spaß...
 
Wechsel 2: Abstieg vom Rad; zurück zum Wechselplatz. Da standen schon etliche Räder. Ein Stück meines Riegels + Wasser. Auf Richtung Laufstrecke.
 
Laufen: Die ersten 100m waren wie auf Eiern. Gleichgewichtsprobleme nach dem Radfahren... Das ging aber gleich wieder. Nach einem Kilometer kam Norbert von hinten angerauscht. Beim Schwimmen und Radfahren konnte ich ihn noch hinter mir lassen. Aber Laufen sollte heute mein Todesstoß sein. Schon zu dem frühen Zeitpunkt merkte ich, dass da heute nicht viel geht. Norbert rauschte an mir vorbei.
Bei mir machten sich mein Magen und mein rechter Oberschenkel bemerkbar. Beide verkrampften. Nach km 4 war ich kurz davor auszusteigen, da irgendwie überhaupt nichts mehr ging. Aber ich werde doch nicht wegen popligen 5km meinen ersten OD-Finish wegschmeißen?! Also auf zur Runde 2! Laufen - Gehen - Laufen - Gehen ...! Kilometer 6 - der Vizeeuopameister des vergangenen Jahres über die Langdistanz, Jan Raphael, schlich sich von hinten an mich ran. Tja lieber Jan, da helfen alle Titel nicht, aber an einem Förter musst auch du erstmal vorbei! ;) Natürlich flog er während meines 5km-Kampfes, kurz bevor ich in den Zielbereich einlief,  auch noch ein zweites Mal an mir vorbei. Das war ja auch der Grund, warum ich so langsam lief - ich kann es ja zugeben.
Zum Zieleinlauf hatte ich einen Partner gefunden. Ralf hatte es beim Laufen ebenfalls schwer erwischt. Er kämpfte sich ebenso mit Krämpfen durch. Wir liefen gemeinsam durch das Spalier der Cheerleader auf dem roten Teppich durch das große Zieltor und blieben, da wir in der gemeinsamen Startgruppe waren, auch beide unter 3h30min.
Im Ziel!
Im Ziel!

 

Nun ist also das nächste Etappenziel erreicht - ich bin Finisher der Olympischen Distanz der Triathleten. Froh darüber, dass der Kopf endlich mal wieder über den Körper gesiegt hat, nahm ich meine Medaille entgegen und klatschte mit Norbert ab, der im Zielbereich auf mich wartete. Fein gemacht!!
 
Der Ausflug nach Ingolstadt hat sich absolut gelohnt! Allein der schwarze Beutel ist schon der Hammer! Schwarz!! Nicht so ein alltägliches Weiß wie bei jedem anderen Marathon - nein Pechschwarz!
Ingosltadt bietet mit seinem Triathlon eine Top-Veranstaltung! Herrliche Wettkampfstrecken, wunderbares Drumherum und bombastische Stimmung überall auf der Strecke! Wiederholungsgefahr ist bei mir durchaus vorhanden.
 
Interessanterweise bleibt noch zu erwähnen, dass mein Ort der Unterkunft bei Ines und Martin in Hilpoltstein nur 2 Gehminuten entfernt vom Schwimmstart in Roth liegt... ;)
 
Also Ingolstadt - wir sehen uns bestimmt mal wieder.

 

auf dem Weg zum Rad
auf dem Weg zum Rad
Laufen unter Schmerzen.
Laufen unter Schmerzen.
Wohlverdient...
Wohlverdient...

Kommentare

 

Freu mich mit dir, und das mit dem Laufen kriegen wir auch noch hin. Du weißt doch, „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.“(Zátopek)

Tolle Fotos und das gute Gefühl, gefinisht zu haben, verbunden mit einer Medaille werden dir weiteren Auftrieb geben, nicht lockerzulassen, sondern die eigenen Grenzen immer wieder neu auszuloten, und wenn möglich, zu überschreiten.

Gruß

Fiedel

 

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