Svens Laufkarriere

Schlank und rank absolvierte ich meine Jugend bis zu meinem 20. Lebensjahr. In diesem Zeitraum beschränkten sich die sportlichen Tätigkeiten jedoch nur auf das MUSS. Abgesehen von ein paar Abstechern in der Kindheit zum angehenden Profifußballer oder Gewichtheber im Fliegengewicht war nicht viel dabei.
 
Beim Fußball oder Gewichtheben bin ich nicht geblieben, da ich schon sehr schnell merkte, dass ich kein Weltmeister oder Olympiasieger werden würde. Nicht mal Teilnehmer der Kinder- und Jugendspartakiade würde ich werden. Während des Sportunterrichtes gab es natürlich eine Menge Dauerläufe, da unser Herr Döring warscheinlich einen Ausdauerfetisch hatte. Im bergigen Suhl hatte er da ausgiebige Möglichkeiten, uns die Berge rauf und runter zu jagen - inkl. den Berg hinauf sprinten. Das war vielleicht auch der Grund, warum sich meine bösen Bauch-Gene noch nicht rausgetraut haben.
 
Im Leninring gab es damals auch den Dr. Richard Sorge-Gedenklauf - einmal Quer durchs Wohngebiet. Teilgenommen hatten etliche Schüler der im Wohngebiet ansässigen Schulen, sowie eine Abordnung Offiziersschüler, die natürlich jedes Jahr die ersten 20 Plätze belegten. Dieser demütigenden Serie habe ich dann auch mal ein Ende gesetzt. Ich kam als 8. ins Ziel. Der Erste aller Schüler... Allerdings nur durch Beschiss. Durchs Wohngebiet abgekürzt, bin ich sogar vor den Offz.-Schülern wieder auf die Strecke in der Fucik-Straße. Am Montag in der Schule wurde mir auch noch gratuliert - auch von einigen Lehrern. Ich hab keine Ahnung, warum keiner was anderes gesagt hat. Mir war's dann sogar peinlich.
 
Bei der Sportprüfung 1987 erreichte ich sogar eine 2 über die 3km! Das ging damals noch in lustigen Stoffturnschuhen oder wenn man Glück hatte in Germina-Lederturnschuhen. Heute würden die meisten Hobbyläufer nicht mal mehr 2km darin laufen wollen... Warum auch immer. Danach kam die Lehre - wieder mit Sportunterricht. Im Gegensatz zu Herrn Döring legte unser Sportlehrer in der Lehre Herr Graftschick (o. s. ä.) mehr Wert auf Kraft. Somit geriet Laufen da schon ins Hintertreffen.
 
Während der anschließenden NVA-Grundausbildung war unsere Sportausbildung wieder abhänging vom Ausbilder. Unser Hauptmann Baumann legte das Hauptaugenmerk auf ausdauernde lange Märsche und Läufe - entweder in Stiefeln oder in den schicken schwarzen NVA-Lederturnschuhen. Wir mussten dann zuschauen, wie andere Züge den Nahkampf übten, was unser Zug nicht ein einziges Mal machen durfte. Heute ärgere ich mich darüber, dass ich mich damals nicht durchgerungen habe und mit meinem Kameraden Schmeichel in der Freizeit nicht am Strand von Prora joggen war. Er ist heute bestimmt immernoch schlank...
 
Nach der Ausbildung in Prora gings dann ans Faulenzen. Wehrbezirkskommando Suhl - hier war Sport ein Fremdwort. Da trauten sich dann auch endlich meine bösen Bauch-Gene aus den Verstecken hervor und sammelten sich unter meiner Bauchdecke. Das tun sie bis heute - mal mehr, mal weniger.
 
Ca. im Jahre 2000 überredete mich Silvio dann mal, mich mit ihm sportiv zu bewegen. Er zwang mich zu einer kleinen Runde auf dem Lautenberg. nach ungefähr 10 Minuten bat ich Ihn dann, 'nen Sani zu holen. Ich bin fast zusammengeklappt wie ein defekter Klappspaten. Er zwang mich dann noch einige Male, bis ich mich dann auch schon mal alleine unter die Läufer im Himmelreich traute.
 
Ende 2002 zog ich dann ins Rhein-Main-Gebiet. 2004 kam dann der nächste große Schritt - der erste Volkslauf. 10km in Nieder-Rodenbach. Mit der sensationellen Siegerzeit von 1h16min erreichte ich als erster (von hinten) das Ziel. Der nächste Höhepunkt kam dann im Mai 2005.
 
Erste Teilnahme am Rennsteiglauf. Halbmarathon von Oberhof nach Schmiedefeld. Zielzeit 3h03min. Ein gigantisches Erlebnis! Seitdem 3 weitere Teilnahmen am Rennsteiglauf, wobei 2007 der Versuch, den Marathon zu laufen, kläglich gescheitert ist, sowie mehrere kleinere Volksläufe (Brückenlauf, Hugenottenlauf, Groß-Krotzenburg...).
 
Seit fast einem Jahr habe ich nun auch die Bemühungen intensiviert, mein Gewicht durch regelmäßigeres Training und die ein oder andere Umstellung in der Ernährung nach unten zu bringen. Es geht ganz gut vorwärts. Vielleicht schaffe ich es dann doch mal, das hintere Viertel der Zielankömmlinge zu verlassen.
 
Mittlerweile haben wir Ende 2012. Dieses war mein bisher bestes Laufjahr. Nach sehr guter Vorbereitung gelang es mir, den Rennsteiglauf-HM mit einer guten 2h 38min zu laufen. Im Juni dann das nächste ungeplante Highlight - der 12-Stundenlauf in Brühl, bei dem ich meinen ersten Marathon bzw. ULTRA lief. Vor 2 Wochen lief ich eine neue PB in der Halbmarathondistanz beim Hugenottenlauf mit 2h17min. Nun steht in 3 Wochen noch der erste Stadtmarathon an, den ich gerne mit ca. 5h finishen würde.
 
Svens Bestzeiten
10km 00:58:23 Volkslauf Obertshausen 2013
21,1km 02:17:44 Hugenottenlauf 2012
12h-Lauf 62km Brühl 2012
Marathon 05:45:00 Berlin 2014