Fishermans Strongmanrun im Ferropolis

Im November vergangenen Jahres lies ich mich breit schlagen. Stefan, ein guter Kollege, Marathoni und Triathlet versuchte mich schon seit geraumer Zeit, zu einer Teilnahme an einem Hindernislauf zu überreden. Dann hatte er mich soweit. Wenigstens keine Temperaturen im Minusbereich, dachte ich mir und meldete mich an, beim Strongmanrun im Ferropolis. Motto auf der Website "Im Dunkeln sieht dich keiner heulen."

Letzten Samstag war es soweit. In den Nachmittagsstunden machte ich mich auf den Weg nach Gräfenhainichen ins Ferropolis. Hier sollte es erst mal nur die Rookie-Tour werden, 10 km über 20 Hindernisse. Versuche, doch noch auf 20 km zu upgraden, hatte ich erfolgreich abgewehrt. Ein Lauf im Dunkeln. Mit Hindernissen. Bei meinem Talent, im unwegsamen Gelände jede Möglichkeit zum Bänder-, Knie- und Knorpelschaden zu nutzen. Nein, 10 km sollten fürs erste reichen.

Um 20 Uhr traf ich auf Stefan und seine Truppe. Dass es langsam dunkel wurde, merkte ich, als ich beim Gedanken an meine Stirnlampe feststellte, dass diese mit gut gefülltem Akku daheim an der Ladestation hängt. Eine knappe Stunde vor Start waren wir im Ferropolis, einem ehemaligen Tagebau. Hier stehen auf einer Halbinsel im gefluteten Tagebau noch die Förder- und Abraumbagger und geben eine grandiose Kulisse im Abendhimmel ab. Die Truppe, mit der ich laufen werde, macht mir mit einer Aufwärmrunde der besonderen Art klar, worum es geht: gemeinsam laufen, ankommen und Spaß haben. Nachdem der Tequila nebst Zitrusfrucht seinen Platz in meinem Magen gefunden hat, machen wir uns auch bald auf den Weg in die Startaufstellung. Eine der größten Herausforderungen wird es wohl doch sein, zusammen zu bleiben und gemeinsam ins Ziel zu kommen. Pünktlich um 22 Uhr fällt der Startschuss. 5 Minuten später haben wir dann die Startlinie passiert und setzen uns in Bewegung.

Die Jungs von Traktor Kühnau tun alles, um ihr Ziel zu erreichen - jede Menge Spaß haben. Ein Witz jagt den anderen. Am ersten knietiefen Wasserhindernis nehmen die ersten der Truppe ein ausgiebiges Vollbad in der recht muffigen Brühe des Tagebaurestloches. Durch zwei weitere Wasserhindernisse, bei dem auch mal kurz geschwommen wurde, stehen wir vor Hindernis drei und warten. Warten ist offenbar eine Kunst bei Hindernisläufen, derer man ab dem Mittelfeld mächtig sein muss. An den Wasserhindernissen und hier, am ersten Überseecontainer stehen wir in Schlange vor dem Hindernis. Und warten.

Das tut der Stimmung natürlich keinen Abbruch. Aus der Truppe tauchen Beschwerden auf, dass die Flasche mit dem Aufwärmtraining an der Garderobe abgegeben wurde und doch jetzt eigentlich eine prima Gelegenheit wäre.... Endlich sind auch wir an der Reihe und erklimmen den Container. Dahinter ein Feld mit Autoreifen. Ab hier entzerrt sich das Feld, nach dem folgenden Container kann man dann wirklich mal frei laufen und muss auch nicht an den folgenden Hindernissen warten. 2 Kilometer sind geschafft, auf den nächsten 4 Kilometern springkletterkriechmatschen wir uns voran. Keines der Hindernisse ist wirklich unangenehm oder nicht zu überwinden. Alle machen gute Laune, bis auf die Kriechpassagen - beim "großen Krabbeln" und "Heras Netz" muss gekrochen werden. Das ist nicht meins, die Knie schmerzen und beim vorletzten Herasnetz komme ich zu früh hoch. Ratsch - ab sofort sieht man dem Rücken meines Shirts an, dass hier jemand läuft, der nicht die geringste Rücksicht auf sich und das ihm anvertraute Material nimmt . Im Dunkeln laufen ist blöde. Noch blöder ohne Lampe.

Und wenn man im Dunkeln Richtung Licht läuft, welches dem Läufer mit Flutlichtstrahlern entgegen geworfen wird, wird es richtig blöde. Ich sehe: nichts. Dafür treffen meine Füße Löcher, Steine und Querrinnen. Nachdem ich das Licht ein wenig mit der Hand abschirme, wird es besser. Zusammenbleiben scheint heute wirklich die größte Herausforderung zu werden. Immer mal bleibt einer aus der Gruppe zurück. Ehe sich das in der Gruppe rumgesprochen hat, ist diese oft einige Meter auseinander. Wieder gibt es Wartezeiten. Irgendwann nach Hangover - Hindernis 8 - haben drei von uns doch den Kontakt zu den anderen verloren. Wie weit sie hinter uns liegen, kann man nicht einschätzen. Wir warten eine gefühlte Ewigkeit, nichts passiert. Beschließen, dann weiter Richtung Ziel zu laufen. Und eben doch ein wenig mehr Tempo auf den Laufpassagen zu machen. Ich laufe mit Stefan mittlerweile ordentlich unter 6 Minuten und wir tauschen den neuesten Klatsch aus.

So ab dem 10. Hindernis geht es mitten durch die Start/Zielzone. Hier sind im Zuschauerrund viele der nächsten Hindernisse aufgebaut. Wir machen Tempo, arbeiten uns durch die Hindernisse und es macht - einen Heiden Spaß! Ja, das könnte was mit Wiederholungsgefahr werden. Noch drei Hindernisse: Niesgrube, Mad Water und Reifengreifer, dann sind wir da. Haben es geschafft. Geschafft ist der falsche Ausdruck. Sooooo, schwer war das dann doch nicht. Ich könnte mir eine Wiederholung gut vorstellen. Dann aber gerne die große Tour über 20 km. Bei Tag. Oder irgendwas mit anspruchsvolleren Hindernissen über 10 km.

Kommentare

Wenigstens ist die Lampe nicht nass geworden!

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