3 x lauffreund.de in Frankfurt

Da haben wir uns mal wieder auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Wir, das sind Sven, Nils und Silvio. Freunde seit der Schulzeit und nun auch schon einige Jahre lauffreunde. Frankfurt, das kennen wir schon. Alle haben wir schon Erfahrung auf diesem Stadtmarathon machen dürfen, Sven und Nils erst im Vorjahr, bei Silvio liegt das nun schon 6 Jahre zurück.
Dieses Jahr nun mal alle auf derselben Strecke.

Wir nehmen alles mit, samstagnachmittags die Startnummernausgabe und die Marathon-Messe und dann zur Nudel-Party. Danach noch zum Abendessen in Obertshausen, wo wir auch Übernachtung beziehen im I-Motel. Das klappt auch ganz gut mit unserer Männer-WG für eine Nacht.
Sonntag früh wirds etwas hektisch, Frühstückszeit konkurriert mit Anfahrtmöglichkeiten. Aber schlussendlich klappt es mit der Bahn in Frankfurt. Jetzt treffen wir auch auf ein weiteres Gesicht aus der Heimat. Kathleen ist auch aus Suhl angereist. Gemeinsam gehen wir heute an den Start.

Start: Vom Startblock Festhalle geht es erst mit dem zweiten Schub um 10.10 Uhr auf die Reise. Das Starttor passieren wir fast 14min nach der Elite.

KM1
Wir laufen durch das Gewühl, nach wenigen Metern haben wir uns aus den Augen verloren.
Kurz hinter uns sehen wir den Luftballon mit der 4:29, da werden wir uns noch davor, daneben oder dahinter einsortieren. Unsere Zeitziele sind ja heute verschieden.

KM5
Wir sind immer noch im Innenstadtbereich.
Silvio: Bei mir läuft es rund, langsam pegelt sich mein KM-Schnitt bei 5:15 ein, ich möchte gern so lange wie möglich in dieser Geschwindigkeit bleiben.
Sven: Die Waden sind ein wenig fest, macht aber nix, sie werden sich noch lockern – hab ja Zeit genug…
Nils: Mal sehen, was das heute wird. Von einer Zeit Richtung 4:15 habe ich mich schon verabschiedet. Nach den beiden Marathon um die 4:18 in Frankfurt und Leipzig und dem Rennsteig läuft es dieses Jahr überhaupt nicht richtig. Bänderriss, etliche Infekte sorgen dafür, dass mir im Vergleich zu letztem Jahr etliche km  fehlen. Privat und beruflich ist einiges zusammen gekommen, was einen nicht gerade beflügelt in so einer Marathonvorbereitung. Eigentlich bin ich froh, hier heute überhaupt laufen zu können. Aber gestern die Stimmung in und um der Marathonmall, eben der Start lassen die ganzen Unsicherheiten schon wieder vergessen. Ich laufe erst mal los, mal sehen, wie es läuft. Die Zeit ist besser als erwartet, halbe Stunde auf den ersten 5 km.

KM15
Silvio: Unmittelbar vor mir sehe ich den Zugläufer mit Luftballon für 3:59 Stunden, den möchte ich gern auch noch passieren. Vor sechs Jahren war ich mit 3:47 ins Ziel gekommen, dort habe ich auch für heute meinen Anschlag.
Langsam schiebe ich mich vorbei. Ich nehme jeden Getränkestand mit, bis jetzt aber nur Wasser.
Sven: Es läuft noch. Mit entspannten 7min/km schleiche ich über die Strecke. So richtig Lust verspüre ich aber nicht.
Nils: So kann, so muss das weitergehen. Es läuft sehr gut. Den 10er und eben den 15er habe ich unerwartet unter jeweils 6:00/km passiert. Keine Schmerzen, kein Ziepen, keine Unlust. Im Gegensatz zu letzem Jahr, wo ich einfach nur von der Atmosphäre hier in Frankfurt überwältigt war, kann  ich heute alles viel bewußter erleben. Es ist heute aber sehr warm, ich triefe, meine Schildmütze tröpfelt vor sich hin.

KM21
Silvio: Die Hälfte ist geschafft. Es läuft noch immer rund, die Uhr steht bei 1:51. Am Verpflegungsstand plötzlich die Warnung: Achtung Glätte. Viele reißen hier schon Gels auf, zusammen mit den verschütteten Getränkebechern gibt das vor den Tischen eine unglaubliche Schmiererei.
Sven: Irgendwie werde ich langsamer. Der 4:59-Luftballon entfernt sich immer mehr. Die Lust verschwindet irgendwie. Ich kann aber auch nicht schneller.
Nils: 20km, 01:59, fast wie letztes Jahr bin ich unterwegs. Sehr warm, ich lasse keinen Versorgungspunkt aus. Mittlerweile dürfte ich eigentlich mal ein wenig langsamer werden. Ich verspüre keinerlei Ermüdung. Ich konnte die letzten zwei Wochen vor dem Marathon hier überhaupt nicht laufen. Sollte sich das so positiv auswirken?

KM25
Silvio: Die Beine werden schwerer. Etliche Läufer stehen und gehen am Rand, beschäftigt mit sich und beginnenden Krämpfen. Ich bleibe im Trab. An den Getränkeständen überrascht mich der ein oder andere Läufer, dem das alles nicht schnell genug geht. Da wird rücksichtslos geschubst und gedrängelt. Mann, wir laufen doch nicht auf Weltrekord!
Sven: Ich musste schon ein paar Mal gehen. Das macht so keinen Spaß. Ich hab genug. Mein Kopf will auch nicht mehr. Die Beine sind schwer und der Kopf kapituliert. Ich hab für immer genug davon, auf den langen Strecken hinterher zu rennen! Ich steige aus und beehre die Menschen in der vollen Straßenbahn mit meinem Streichelzoo-Geruch.
Nils: Oftmals wird ja die endlose Mainzer Landstraße als langweilig beschrieben. Mir geht das gar nicht so. Ich finde eher den Bereich zwischen Kennedyallee und Schwanheimer Brücke als abtörnend, langweilig, nicht enden wollend. Und mit der 25km-Marke ist das auch erledigt! Wir sind wieder auf der Nordseite des Mains. Die vergangenen 5 km wurde es mir langsam unheimlich. Hier hatte ich letztes Jahr die ersten Gehpausen. Dieses Jahr ist davon nichts zu spüren. Ich bleibe bei meinen 10km/h, habe die 25km bei 2:30Stunden passiert. Wenn das so weiter läuft, vielleicht ist ja wieder eine Zeit wie vergangenes Jahr möglich? Vielleicht noch eine Minute besser….

KM30
Silvio: Die Mainzer Landstraße zieht sich in die Länge. Stetig fällt das Tempo. Sieht aber immer noch relativ gut aus. Trotzdem beginne ich zu rechnen. Es sollte doch immer noch für deutlich unter 4h reichen?
Nils: Klasse, so kann es weitergehen. Meine Uhr teilt mir eine 30km-Zwischenzeit von ziemlich genau 3 Stunden mit. Bis hier habe ich keine Zweifel, dass es heute ein super Lauf wird. Ich freue mich insgeheim und komme ca 300-400 Metern hinter der 30km-Marke auf die Mainzer Landstraße. Mir fährt ein Blitz in beide Oberschenkel. Gut, das ich gerade rechts neben mir Leitplanken habe. Bevor mich mein Oberschenkel-Doppelblitz fällt wie einen Baum, kann ich mich noch gerade an der Planke abstützen. Sc…ße… So einen Krampf im Doppelpack habe ich ja noch nie gehabt. Mal rechts, mal links, nie jedoch gleichzeitig. Ich bekomme die Beine wieder frei und laufe vorsichtig weiter. Mann o mann, hoffentlich war das nur ein kurzer Gruß…

KM35
Silvio: Der Weg führt wieder ins Stadtgebiet zwischen hohe Häuser. Das sieht ganz anders aus als 2008. Egal, ich laufe einfach den anderen hinterher. Mittlerweile brauche ich alle 2,5km etwas zu trinken. Der Durst wird immer stärker. Der km-Schnitt fällt jetzt schon deutlich über 6:20min. Der 3:59 Luftballon läuft vorbei und zieht mühelos davon.
Nils: So eine elende S…..e. Von 30 – 33km konnte ich normal weiterlaufen. Bei 33km ging die Krampferei wieder los, mal links, mal rechts. Die letzten zwei Kilometer bewege ich mich im Wechsel. 700-800m laufend, wenn der Krampf wieder zuschlägt, die restlichen Meter bis zur nächsten km-Marke gehend. Wer will jetzt noch Zeiten wissen?

KM38
Am zentralsten Platz der Innenstadt (Platz der Republik) kocht die Stimmung - das kenne ich schon vom letzten Mal. Jetzt immer schön lächeln! Eine gigantische Samba-Formation trommelt, was das Zeug hält.

KM40
Es geht durch eine Fußgängerzone zurück auf die Zielgerade.
Silvio: Seit einem KM zieht ein böses Zucken durch Waden und Oberschenkel. Jetzt nur keinen Krampf. Mein Laufschritt wird immer verhaltener. Der Messeturm ist in Sichtweite. Der Hammering Man schwingt seinen Hammer.
Nils: Die letzten 5km waren die schlimmsten meines Lebens – abgesehen von den 3000 Metern, die unser Sportlehrer in der Schule von uns verlangt hat. Seit km 37 bin ich nur noch gehend unterwegs. Jeder Versuch, ins Laufen zu wechseln wird gnadenlos vom Oberschenkel mit Krämpfen beantwortet. Ich hab bisher ja noch nie viel über schlimme Phasen über 30km berichten können. Unlust ja, die Frage nach dem Sinn ok. Aber keine Schmerzen und das Gefühl, absolut alle, ausgepumpt zu sein. Das muss der Mann mit dem Hammer sein! Als die Strecke bei 37-38km  knapp an der Festhalle vorbeilief, habe ich sehr ernsthaft daran gedacht, abzubiegen, in 10 Minuten meinen Beutel in der Hand zu halten und heim zu fahren. Bei 39km zieht der 4:30 Ballon an mir vorbei und ich…. Ich komme einfach nicht hinterher. Einige Läufer, die ich vor vielen km überholt habe, machen  nun Positionen gut. Ich kann nur grübeln, diesen unsäglichen Lauf endlich zu Ende zu bringen.
Km 40, die Fressgass, langsam wird es wieder ein wenig lockerer in meinen Beinen. Ich humpel-hüpfe zwar mehr als dass ich laufe, aber ich komme ein wenig schneller voran, als noch vor wenigen hundert Metern.
Messehalle
Silvio: Da ist sie nun doch, die Gänsehaut. Abbiegen und auf die Zielgerade gehen. Links und rechts werde ich überholt- egal. Ohrenbetäubend ist die Stimmung in der Halle. Durch das Zieltor - geschafft. Mann, was für ein Kampf zum Schluss. Die Uhr zeigt 3:59:01. Nicht ganz der Plan, aber immer noch akzeptabel. Der Atem geht schwer, von der Anstrengung und auch von der Erleichterung, die dann doch noch eine Träne fließen lässt.
Danach gibt es hopplahopp und recht emotionslos in der kalten Außenluft von einem Mädel die Medaille um den Hals.
Vorbei!
Nils: Seit dem vorletzten Kilometerschild bin ich doch wieder irgendwie ins Laufen gekommen. Viele Staffeln ziehen zwar an mir vorbei, die Marathonis aber hängen mich nun nicht mehr ab. Wie die letzten km vergangen sind, daran will ich mich eben nicht erinnern. Lass es zu Ende sein! Die letzten 500 Meter. Die Euphorie an der Strecke packt mich und schubst mich einfach so in die Messehalle. Hier werde ich extra ein wenig langsamer. Wie letztes Jahr! Auskosten! Gänsehaut. Die Zielgerade in der Festhalle ist viel zu kurz. Geschafft. Ich  bin total überwältigt. 04:33. Egal, wenn ich mich an die letzte Stunde erinnere.

Jetzt ist auch Sven wieder bei uns, gemeinsam ziehen wir uns um. Die Duschen sind überfüllt. Jeder Fleck in der Halle wird zum Umziehen genutzt. Dann ab zur Bahn, zum Auto und nach einem großen Döner in Offenbach geht es dann ab nach Hause.

Ein bischen Statistik:
15.228 Starter
Sieger: Mark Kiptoo (2:06:49)
Bester Deutscher: Arne Gabius (2:09:32 - Rang neun)

Fazit
Silvio: Marathon ist doch anders als Supermarathon, die Gehpausen am Berg beim Rennsteiglauf sowie die ruhigen Verpflegungspunkte mit ausgiebigem Schmaus wirken da eher entschleunigend. Und die diversen Halben, die sind zwar schneller und härter, aber eben auch schneller vorbei!
Sven: Ich sollte es in Zukunft lassen, wenn ich schon vorher kaum Motivation verspüre. Es macht keinen Spaß, immer nur am Ende des Feldes zu laufen!
Nils: Ich werde auch im kommenden Jahr wieder dabei sein. Das sagt doch schon eine ganze Menge, oder? Unglaublich, wie man sich in der Läufergemeinde an allen möglichen Orten wieder trifft. Und dann hab ich noch den Mann mit dem  Hammer gesehen. Nicht vor der Festhalle. Bei 30. Und bei 37.

 

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