STT – der Dritte!

Auch dieses Jahr sollte es wieder der Riesentrail werden, zum Helden fehlte dann doch etwas Mut. Nach dem furiosen Zieleinlauf mit meinem lauffreund Christian und seinem Ivo in 2018 hatte ich so gar keine Lust mehr auf die weiteren Wichtelkilometer, und das Ziel war, den Riesen dieses Jahr vielleicht etwas schneller zu laufen. Das ist auch wunderbar aufgegangen.

Als offizielle Helfer des STT Teams um Mirko sind wir schon seit Tagen voll in die Vorbereitung einbezogen. Läuferbeutel packen ist der eher einfache Teil, aber die Laufstrecken auszuschildern, dann doch auch sportlich. Die Höhenmeter zollen auch beim alle paar Meter unterbrochenen Lauf einen großen Respekt.

Zum Start um 7:00 ist es wieder da, dieses Kribbeln, diese Vorfreude. Die Strecke kennen wir ja ganz genau von den vielen Vorbereitungsläufen und dem letzten Jahr. Bis auf einen Single-Trail, der voriges Jahr aus forstwirtschaftlichen Gründen außen vor blieb, ist die Strecke dieselbe geblieben. Die Startnummer an der Brust, den Tracker im Laufrucksack und die Stöcke griffbereit warten wir auf den Startschuß.
Dann geht es auch schon los, und 166 Läufer gehen auf die Reise über 47,5 km und fast 2.000 Höhenmeter. Aus Heinrichs hinaus schon straff bergan über die Hammerwand, ahnt der Neuling schon recht bald, was das für eine Höhenmeterschlacht heute wird. Nur wenige Meter von meiner Haustür entfernt geht es weiter bergan. An der Gasleitung steil bergauf auf den Bergbaulehrpfad. Zwischendrin lässt sich an laufen schon nicht mehr denken. Trails, querliegende Bäume und Forsttechnik machen den Weg zum ersten Verpflegungspunkt schon ganz schön anstrengend.

Christian ist heute etwas besser drauf, stetig entschwindet er nach vorn.

Ich habe mir ein paar Zwischenzeiten aus 2018 notiert. An der Dombergbaude ist der erste Gipfel erklommen, ich bin schneller als im Vorjahr unterwegs. Da steht ja auch der lauffreund Sven, der sich dieses Jahr um die Fotodokumentation kümmern wird.

Vom Suhler Hausberg gehts wieder hinab bis zum ersten VP an der Ottilienkapelle, ich kanns gut laufen lassen. Die Melonenstücke locken, etwas Schokolade hinterher und einen großen Schluck zum Nachfüllen. Durch die City, direkt über den Marktplatz, kurz nochmal fürs Foto lächeln, gehts dann gleich wieder straff bergan. Gehweg, Asphalt und Kopfsteinpflaster für die nächsten Minuten, dann ab Suhler Schweiz wieder hinein in den Wald. Am Tierpark vorbei gehts auf zum steilsten bergauf Stück, den Skihang am Döllberg direkt hoch.
Der Schweiß tropft mir vom Mützenschild, der Puls fliegt. Ein kurzer Blick zurück auf das größtenteils noch schlafende Suhl, was für ein toller Ausblick bis hinüber zum Domberg, da waren wir heute ja auch schon und müssen zum Schluss nochmal fast drüber.

Dann viel Wald über den Erleshügel, dieses Mal verlaufe ich mich nicht auf dem Weg zum VP2.
Ich liege gut in der Zeit und lasse mir an der Simson Hütte wieder Melone und Schoki schmecken. Flasche wieder füllen und ab nach unten auf einem schmalen Single Trail. Bis ins Pfanntal hinter Goldlauter gehts bergab, dann wirds eng. Hohes Gras, Himbeerranken und Zweige säumen den Wiederanstieg zum Leitweg. Diese Waldautobahn kreuzen wir nur kurz, dann gehts steil zum Salzberg hinan.
Hier oben wird gefilmt, mal sehen, wann und wo sich die Drohnen-Aufnahmen wiederfinden.
Der zweite Skihang des heutigen Tages, diesmal bergab, mit Skiern wärs einfacher. Höchste Konzentration, nur nicht stürzen. Ich überhole ein paar langsamere Läufer. Unten liegt der Sven im Rasen, der Apparat ist im Dauerfeuermodus, freue mich auf die Bilder.

Jetzt heißt es wieder lange bergan zu laufen, wir nähern uns dem Rennsteig. Über den Fichtenkopf folge ich jetzt kurz dem bekannten Gipfelweg (der hat 7 Neunhunderter) zur Suhler Hütte. Gern würde ich schon wieder meine Trinkflaschen füllen, aber die Quelle ist versiegt. Also einteilen! Jetzt gehts auf zum Schneekopf, ein paar schöne Wurzel-Trails über die Teufelskanzel sind noch zu überwinden. Das Wetter hält, die Fern-Sicht ist bestens. Ein Blick auf die Uhr, auch gut. Wieder zurück über die Suhler Hütte, gehts nach ein paar Metern Rosenkopfstraße wieder in einen phantastischen Single Trail hinein. Der ist knackig und führt direkt hinauf zum VP3 an der Bergwachthütte Am Adler. Hmm, Melone mit Salz, Schoki und Iso. Dann nochmal Melone. Und noch eine saure Gurke. Und ein Stück Käse, Und noch ein Iso. Geile Verpflegung.

Ab ins Tal, lange bergab, Waldautobahn und Trails im Wechsel.
In der Suhler Struth hat der Uwe die Stimmung und Verpflegung voll im Griff und die Mugge voll aufgedreht, schon weit vorher kann man sich auf den VP freuen. Seit dem Schneekopf bin ich fast allein auf dem Weg, irgendwie habe ich eine Lücke im Läuferpulk erwischt.
OK, jetzt nochmal in Richtung Domberg hinauf, den Höhenzug hatte ich ja heute schon einmal.
Jetzt werden es doch wieder ein paar Gehpassagen mehr, die Höhenmeter lassen grüßen.

Vom letzten höchsten Punkt geht es einen Weg hinab, den der Harvester völlig zerschrotet hat. Der Forst muss sich sputen, das viele Borkenkäfer-Holz aus dem Wald zu schaffen, der nächste Winter steht vor der Tür. Der Zustand des Waldes ist schon fast katastrophal. Viele abgestorbene Bäume zeugen vom Klima Wandel. Geröllig und staubig, bremsen fast unmöglich, gehts runter auf den Gänserasen.

Ich passiere ein paar Läufer, denen es nicht mehr so gut geht. Egal, sie wissen wie ich, dass es nur noch ein paar KM sind, die kann man zur Not auch wandern. Kurz durch Albrechts, an der Kirche vorbei gehts in traumhafte Gartenwege, eng und steil, dann wieder in den Wald.
Am letzten bergauf Stück vorm Hollergrund überhole ich jetzt noch ein paar Läufer, da bin ich auch nicht mehr allein.
Vom Ziel schallt schon Petras altbekannte Stimme des Rennsteiglaufes herauf, die Freude aufs baldige Zielieren steigt rasch an. Noch schnell eine Rechtskurve, über die Hasel und dann ab durch den Zielkanal. Geschafft!
Ein Mädel hängt mir die schöne Holzmedaille um den Hals.

Mit 6h16min bis ich überglücklich, den Lauf überstanden zu haben. War anstrengend, aber vom feinsten. Organisation, Streckenauswahl und -ausschilderung bestens und das mit einem Traum-Lauf-Wetter.

Autor*in
22. September 2019